Wie sieht der Musikmarkt der Zukunft aus?

Wie sieht der Musikmarkt der Zukunft aus?

Die digitale Revolution hat die Musikindustrie in den letzten 10 Jahren stark verändert. Sie hat klassische Strukturen aufgebrochen und zahlreiche neue Chancen aber auch Probleme geschaffen. Und der Wandel vom physischen zum digitalen Musikvertrieb, vom Tonträger zur Musik in der (fast) allgegenwärtigen ‘Cloud’ ist nicht vorbei – im Gegenteil – er hat gerade erst begonnen. Deshalb befassen wir uns mit den vier Modellen des digitalen Musikvertriebs und wagen einen Blick in die Zukunft…

Die vier Modelle des digitalen Musikvertiebs

1. Kostenfreie Musik (Free Download, Spenden, Pay with a Tweet)

Zahlreiche Musiker, vor allem Newcomer, bieten ihre Musik kostenfrei zum Download an. Dies geschieht vorwiegend über die eigene Homepage, aber auch über Upload-Services wie Megaupload, P2P-Netzwerke wie Bittorrent oder Hosting-Dienste wie Soundcloud.

PRO: Vor allem für unbekannte Künstler bietet sich der kostenlose Musikvertrieb an, um neue Fans zu gewinnen. Über Spenden (‘Pay how much you want’) oder Pay with a Tweet-Promotion, lässt sich die kostenlose Musik teilweise sogar monetarisieren. Die Musik darf kopiert, gebrannt oder auf andere Multimedia-Player übertragen werden und ist auch ohne Internetanschluss verfügbar.

CONTRA: Kostenfreie Musik schadet der Preisgestaltung am legalen Musikmarkt und der Entwicklung und Etablierung von Bezahl-Services und fördert die allgemeine ‘Kostenlos Kultur’ im Internet. Urheber erhalten meist keine Vergütung.

2. Werbefinanzierte Musik (kostenfreies Streaming mit Werbung)

Zu Beginn der digitalen Revolution galten werbefinanzierte Angebote als die Lösung für kostenfreie Musik im Internet, bei der auch Künstler und Labels beteiligt werden. Allerdings ist die Akzeptanz von Werbeunterbrechungen bei den Nutzern im Internet deutlich geringer als bei Radio- und Fernsehwerbung. Heute dienen werbefinanzierte Angebote, wie z.B. bei Spotify in erster Linie, um Interessenten an einen Streaming-Dienst zu binden und sie anschließend zu Abonnement-Kunden zu machen.

PRO: Nutzer können unbegrenzt Musik hören ohne dafür zu zahlen. Künstler und Labels erhalten einen Anteil der Werbeeinnahmen.

CONTRA: Werbeeinblendungen können schnell nerven. Um Zielgruppen-gerechte Werbung zu schalten, bedarf es einer umfassenden Datensammlung über den Nutzer. Die Einnahmen der Künstler und Labels sind sehr gering. Die Musik kann i.d.R. nicht kopiert, gebrannt oder auf andere Multimedia-Player übertragen werden und ist nur mit Internetanschluss verfügbar.

3. Gekaufte Musik (Downloads)

Legale Downloads bilden derzeit das Fundament der Krisenbewältigung in der Musikindustrie. Ihr Absatz ist in den letzten Jahren stark gestiegen und könnte schon in wenigen Jahren die Verluste im CD-Geschäft kompensieren. Die weltweit führenden Anbieter sind iTunes und Amazon.

PRO: Die Einnahmen der Künstler und Labels sind im Vergleich zu anderen Modellen sehr hoch. Die Musik darf kopiert, gebrannt oder auf andere Multimedia-Player übertragen werden und ist auch ohne Internetanschluss verfügbar.

CONTRA: Downloads sind im Vergleich zu anderen Modellen am teuersten.

4. Geliehene Musik (Streaming, Musik-Flatrate)

Beim Streaming-Modell zahlt der Kunde i.d.R. einen monatlichen Betrag und erhält dafür unbegrenzten Zugriff auf das gesamte Repertoire des jeweiligen Anbieters. Es kann deshalb auch als Musik-Flatrate bezeichnet werden. Musik-Streaming ist spätestens seit dem Erfolg von Spotify ein viel diskutiertes Thema. Bereits vor einigen Jahren hat sich Napster von einer illegalen Download-Plattform zu einem legalen Streaming-Dienst gewandelt. Laut Gerüchten plant auch iTunes derzeit ein Streaming-Angebot.

PRO: Nutzer können unbegrenzt Musik hören und zahlen dafür Abonnement-Gebühren. Künstler und Labels erhalten einen Anteil der Abonnement-Gebühren.

CONTRA: Die Bindung an einen Service und dessen Repertoire ist sehr hoch. Die Einnahmen der Künstler und Labels sind gering. Die Musik kann i.d.R. nicht kopiert, gebrannt oder auf andere Multimedia-Player übertragen werden und ist nur mit Internetanschluss verfügbar.

Ein Blick in die Zukunft des Musikvertriebs

In Zukunft soll Musik überall und jederzeit verfügbar sein – da sind sich alle einig. Allerdings streiten Labels, Online Musik-Shops, Internet Provider, Musikverbände und Verwertungsgesellschaften um eigene Ansprüche und rechtliche Standards im Internet. Die zentrale Frage betrifft die gerechte Verteilung der Einnahmen. Die größten Probleme sind die unterschiedlichen Interessen der Lobbyisten und die von Land zu Land variierende Rechtsgebung.

Kürzlich hat der Chaos Computer Club (CCC) seine eigene Vision der Zukunft des digitalen Musikvertriebs vorgestellt. Demnach soll eine eigene virtuelle Währung, die bisher wenig glanzvoll als ‘Kulturwertmark‘ bezeichnet wird, eingeführt werden, um ein “zeitgemäßes Vergütungsmodell für Kreative” zu schaffen.

Das Modell der Kulturwertmark in Kürze:
Kunden zahlen monatliche Gebühren und können selbst entscheiden welche Künstler Anteile davon erhalten sollen. Den Künstlern steht es frei am System teilzunehmen. Wenn sie das tun, haben die Kunden unbegrenzten Zugriff auf ihre Werke. Wenn genügend Geld für ein Werk gesammelt wurde, fällt es unter Public Domain und wird somit Gemeingut.

Der Ansatz ist zwar nicht ganz neu aber durchaus sehr interessant. Allerdings dürften die Musiklabels wenig Interesse an diesem Szenario haben, weshalb ihre Musik auch nicht verfügbar wäre. Auch die Umsetzbarkeit eines solchen Systems ist fraglich. “Was der CCC tatsächlich geschafft haben könnte, ist die Wiederbelebung der längst eingeschlafenen Debatte um eine Kulturflatrate.” (Spiegel Online)

Fazit

Bei nüchterner Betrachtung des digitalen Musikmarktes ist es am wahrscheinlichsten, dass sich eine Mischung aus Download- und Streaming-Service durchsetzen wird. Die Major Labels mussten bereits einen Großteil ihrer Macht abgeben und sind heute von den digitalen Musikgiganten iTunes und Amazon abhängig. Daneben gibt es zahlreiche Anbieter, die mit neuen Ideen und Angeboten auf Kundenfang gehen und so den Wettbewerb beleben. Auch Google oder Facebook könnten den Schritt in den Musikmarkt wagen und die Welt des digitalen Musikvertriebs, wie einst iTunes vor 10 Jahren erneut umkrempeln.

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