Was iTunes Match für die Musikindustrie bedeutet

Was iTunes Match für die Musikindustrie bedeutet

Es war die letzte große Produkt-Ankündigung von Steve Jobs: Apple’s Synchronisierungsdienst ‘iCloud’. Was bei der Produkt-Präsentation im Juni 2011 für alle Musik-Freaks allerdings noch viel interessanter war, ist der kostenpflichtige Zusatzservice ‘iTunes Match’. Dieser ist ab sofort in den USA verfügbar und hat das Potenzial, die Musikindustrie zu revolutionieren. Wir erklären warum…

Schon einige Monate vor der Bekanntmachung wurden Gerüchte laut, Apple plane die Einführung eines Musik-Streaming-Dienstes. Aber entgegen aller Erwartungen ist iTunes Match kein Streaming-, sondern ein Scanning-Dienst. Das klingt zwar relativ unspektakulär – ist es aber nicht.

“It’s an industry leading offering.” So beschrieb Steve Jobs den Zusatzdienst schmunzelnd in einem Nebensatz seiner Präsentation und heimste damit einige Lacher im Publikum ein. Wie ernst diese ‘and there’s one more thing’-Aussage gemeint war, ließ er nicht wirklich durchblicken. Aber der vom SPIEGEL zum “iGod” ernannte Visionär wusste ganz genau, was er da behauptete.

Steve Jobs erklärt iTunes Match

Was iTunes Match wirklich kann

iTunes Match kann die vorhandene Musik-Bibliothek jedes iTunes-Nutzers scannen und alle dort gefundenen Titel über iCloud verfügbar machen. Der entscheidende Punkt dabei ist: ‘ALLE TITEL’. Denn der Scanning-Dienst macht sowohl über iTunes gekaufte, als auch bei anderen Anbietern erworbene, von CDs gerippte und illegal aus dem Internet geladene Songs online verfügbar. So kann der Nutzer seine gesamte digitale Musiksammlung automatisch und drahtlos zwischen Computern und mobilen Geräten synchronisieren.

Rein technisch findet dabei ein Abgleich mit den rund 20 Millionen derzeit im iTunes Store verfügbaren Titeln statt. Erkennt iTunes Match eine Übereinstimmung (engl. ‘match’) mit der eigenen Bibliothek, gilt der Song automatisch als legal erworben. Ja, richtig gelesen: Auch illegal geladene Songs sind nach einem Abgleich durch iTunes Match legal verfügbar. Steve Jobs beschrieb diesen Rechteerwerb etwas salopp und wohlwissentlich tiefstapelnd: “Die übereinstimmenden Songs erhalten die gleichen Rechte wie Musik, die im iTunes Store gekauft wurde.” Um das zu ermöglichen, hat Apple Verträge mit dem amerikanischen Musikindustrie-Verband RIAA, den Majors und einigen Independent Labels abgeschlossen.

Um die Musik online abzurufen, müssen bei anderen Cloud-Diensten erst die gesamten Musik-Dateien hochgeladen werden. Dieser Vorgang kann abhängig vom Umfang der Musiksammlung und der Internetverbindung einige Wochen dauern. Das Besondere an iTunes Match ist, dass nicht die Song-Dateien, sondern lediglich die Datenbank der Bibliothek gescannt wird. Laut Apple dauert der gesamte Scanvorgang nur wenige Minuten. Nur Songs die nicht bei iTunes verfügbar sind, müssen anschließend noch hochgeladen werden. Damit hat Apple einen enormen Vorteil gegenüber den Cloud-Diensten von Amazon und Google.

Aber iTunes Match kann noch mehr: Falls einzelne Songs in der eigenen Musiksammlung von geringer Qualität sind, werden sie in die iTunes-übliche Qualität (AAC-Datei mit 256kbps) konvertiert. Dieses ‘Upgrade’ der Musikqualität findet automatisch statt.

Was kostet iTunes Match und ab wann ist es verfügbar?

iTunes Match ist derzeit nur in den USA verfügbar. Die Nutzung kostet 24,99 US-Dollar pro Jahr. Ob und wann der Service auch hierzulande angeboten wird, hängt von den Lizenzverhandlungen von Apple mit den Musiklabels und der GEMA ab. Schon oft hat Apple den US-Musikmarkt als Testmarkt für die gesamte Online-Musikwelt genutzt. Bei einem Erfolg von iTunes Match in den USA hat der Service gute Chancen innerhalb von ein bis zwei Jahren auch in Deutschland zu starten. Die jährliche Nutzungsgebühr würde dann voraussichtlich 24,99 EUR betragen.

Kritik an iTunes Match

Für zahlreiche Rechteinhaber, Urheberrechtsschützer und Konkurrenten gilt der Deal zwischen Apple und den Major Labels als moderner Ablasshandel: Gegen eine Gebühr werden illegal geladene Songs legal verfügbar gemacht. Die Kritik ist durchaus berechtigt. Denn der ohnehin weltweite Marktführer für digitale Musik könnte seine herausragende Position am Online-Musikmarkt mit iTunes Match deutlich verstärken und langfristig ausbauen. Zudem werden Künstler und Labels benachteiligt, deren Musik nicht bei iTunes verfügbar ist. Denn auch ihre Musik kann über iCloud hochgeladen werden, sie erhalten aber keine Vergütung dafür.

Das die Konkurrenz jetzt um Marktanteile fürchtet ist wohl selbstverständlich, aber wie sieht es bei den Künstlern und Labels aus? Wer kann mit iTunes Match wieviel verdienen und welche Vor- und Nachteile ergeben sich für Künstler und Labels? Das erfahrt ihr in unserem kommenden Blog-Beitrag.

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