Leser-Fragen zum Musikrecht (Teil 3)

Leser-Fragen zum Musikrecht (Teil 2)

Rechtsanwalt Dr. Bauer von der Kanzlei music & law beantwortet allgemeine Leser-Fragen zum Musik- und Urheberrecht im YouTunez.com Blog.

Diesmal dreht sich die Frage um die GEMA-Meldung im Zusammenhang mit Cover-Versionen.


SUSANNE M.: Wir sind eine Cover-Band, die regelmäßig in Bars, Clubs und auf Volksfesten live auftritt. Jetzt würden wir gerne ins Tonstudio gehen und ein Album unserer besten Cover-Songs machen. Da die verwendeten Songs alle GEMA-gemeldet sind, können wir unser Album doch auch ohne direkte Zustimmung der Urheber veröffentlichen, sofern wir diese beim digitalen Musikvertrieb korrekt angeben, oder?

DR. BAUER: Urheberrechtliche Wahrnehmungsgesellschaften, wie z.B. die GEMA, sind in Deutschland gemäß § 11 des Urheberrechtswahrnehmungsgesetzes (UrhWG) gesetzlich dazu verpflichtet, jedermann auf Verlangen Nutzungsrechte an den von ihr wahrgenommenen Rechten zu angemessenen Bedingungen einzuräumen. Sie unterliegen damit dem so genannten „Abschlusszwang“. Die Bedingungen, unter denen jeder Musiker das Recht zur Nutzung der von der GEMA wahrgenommenen Musik erwerben kann, werden in verschiedenen Tarifen der GEMA festgelegt. Für die Vervielfältigung und Verbreitung von Musik auf handelsüblichen Tonträgern (z.B. Vinyl oder CDs) ist dies z.B. der Tarif „VR-T-H 1“. Vor der Herstellung und dem Vertrieb eines aufgenommenen Cover-Songs sind die entsprechenden Rechte mittels Lizenzantrag von bzw. über die GEMA von den Berechtigten (Komponisten/Textdichter) zu erwerben.

Im Bereich des digitalen Online-Vertriebs erfolgt die Lizenzierung der zum Verkauf angebotenen Musik allerdings durch den Abschluss von Lizenzverträgen zwischen den Download-Plattformen (wie z.B. iTunes) und den einzelnen Verwertungsgesellschaften direkt. In Deutschland hat die GEMA hierfür den Tarif „VR-OD 7“ aufgestellt, nach dem der Betreiber einer Music-On-Demand-Plattform z.B. für den Download eines jeden zum GEMA-Repertoire gehörenden Einzeltitels mindestens einen Betrag in Höhe von EUR 0,091 zzgl. MwSt. an die GEMA bezahlen muss. Hiermit sind dann das Vervielfältigungsrecht und das Recht zur öffentlichen Zugänglichmachung des genutzten Werkes im Wege des Downloads durch den Endkunden zum privaten Gebrauch abgegolten. Anstatt eines Lizenzantrages in Papierform erfolgt hier die Meldung der GEMA-pflichtigen Titel allerdings elektronisch und voll automatisch durch den jeweiligen Downloadanbieter, sofern die Titel beim Vertrieb ordnungsgemäß angegeben wurden.

Die Nutzung von fremden Musikwerken ist jedoch nur dann ohne weitere Zustimmung durch die Urheber oder deren Verlage zulässig, sofern die Werke in der Produktion unverändert wiedergegeben werden. Es muss sich also tatsächlich um eine reine Cover- Version eines Liedes und nicht um eine Bearbeitung handeln. Eine klare Abgrenzung ist hier leider oft sehr schwierig. Denn bereits eine Darbietung eines Songs in einer anderen Mundart oder eine nicht unerhebliche Kürzung können im Einzelfall eine Verletzung des Urheberpersönlichkeits- oder des Bearbeitungsrechtes der Urheber auslösen. Dann ist die Veröffentlichung – trotz korrekter GEMA-Meldung – zusätzlich von der Zustimmung der Rechteinhaber abhängig und ohne eine solche rechtlich unzulässig. Es empfiehlt sich daher immer, vor der geplanten Veröffentlichung noch einmal qualifizierten rechtlichen und/oder musikwissenschaftlichen Rat hierzu einzuholen.


Wenn auch Du eine Frage zum Musik- oder Urheberrecht hast, kannst Du uns eine Nachricht mit Deiner Frage an folgende E-Mail-Adresse schicken: legal@youtunez.com. Aus allen eingesendeten Fragen wird Rechtsanwalt Dr. Bauer in regelmäßigen Abständen eine ausgewählte Frage hier im Blog beantworten.

Falls Du wichtige Fragen zu Deinen Musikproduktionen hast, kannst Du auch unmittelbar und direkt mit der Kanzlei music & law über unsere Musikanwalts-Hotline in Kontakt treten.

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