Leser-Fragen zum Musikrecht (Teil 2)

Leser-Fragen zum Musikrecht (Teil 2)

Rechtsanwalt Dr. Bauer von der Kanzlei music & law beantwortet allgemeine Leser-Fragen zum Musik- und Urheberrecht im YouTunez.com Blog.

Diesmal dreht sich die Frage um eine faire Erlösverteilung bei Musikproduktionen.


MARKUS G.: Ich habe mehrere Songs auf Instrumental-Versionen eines Bekannten von mir gesungen und selbst aufgenommen. Ich bin also Interpret, Songwriter und Co-Produzent und mein Bekannter ist Komponist und Produzent. Jetzt wollen wir die Songs digital verkaufen. Welche prozentuale Beteiligung am Verkaufserlös steht mir, bzw. meinem Bekannten in so einem Fall üblicherweise zu?

DR. BAUER: Diese Frage ist – obwohl sie recht einfach klingen mag – gar nicht so leicht zu beantworten. Eine ausführliche Erklärung der komplexen Verwertungsmechanismen in der Musikindustrie, deren Kenntnis für die exakte Berechnung einer wirklich „fairen“ Erlösverteilung notwendig ist, kann hier leider nicht erfolgen. Trotzdem soll nachfolgend versucht werden, für Deinen Fall zumindest einen groben Richtwert zu ermitteln.

Zunächst einmal ist zu sagen, dass Ihr, sofern Ihr von Dritten (wie z.B. Labels, Verlagen etc.) noch unabhängig seid, grundsätzlich völlig frei darüber entscheiden könnt, wie Ihr Euch den Verkaufserlös untereinander aufteilt. Dies ist also reine Verhandlungssache. Die branchenüblichen Beteiligungssätze am Verkaufserlös einer CD bzw. eines Downloads, die regelmäßig in den Verträgen zwischen den jeweiligen Akteuren vereinbart werden, sind im Wesentlichen von der getätigten Investition, d.h. dem wirtschaftlichen und finanziellen Risiko des jeweiligen Akteurs und natürlich den Marktgegebenheiten abhängig. Diese bieten zwar einen gewissen Richtwert; eine einfache Addition der jeweils zu Euch „passenden Werte“ scheint hier aber zu kompliziert und außerdem wegen der hohen Gemeinschaftlichkeit auch nicht ganz passend zu sein. Wenn Du die Rechte Deines Bekannten an Eurem Song also nicht vertraglich erwerben und dann alleine auswerten möchtest, sondern Ihr „Euren“ Song gemeinschaftlich verwerten wollt, müsstet Ihr einen Verteilungsschlüssel finden, der Eure Beteiligung bzw. Leistung an dem Gesamtprodukt angemessen abbildet.

Stark vereinfacht könnte man dabei z.B. wie folgt vorgehen: Ihr legt gemeinsam Euren persönlichen Anteil an den vier von Dir genannten „Kernbereichen“ der Musikproduktion (Autorenschaft, Produktion, Aufnahmekosten und künstlerische Mitwirkung) fest und ermittelt so – ggf. für jeden Song gesondert – Euren Verwertungsanteil in Prozent. So z.B. Deine Anteile:

  • 44,4 % für die Autorschaft (üblicher GEMA-Texter-Anteil im Bereich Downloading)
  • + 50 % als Co- Produzent
  • + 50 % für die von Dir geleisteten Aufnahmekosten
  • + 100 % als alleiniger Interpret
  • = 244,4 % zu 155,6 %

Dies würde einer Erlösverteilung von 61,1 % (244,4 x 100 / 400) zu 38,9 %, also etwa 60 % für Dich und 40 % für Deinen Bekannten entsprechen.

Diesen Verteilungsschlüssel könntet Ihr – sofern er angemessen und nicht zu pauschal ist – grundsätzlich auf alle tatsächlich ausgeschütteten Einnahmen anwenden, die ihr aus dem Digital-Vertrieb Eurer Songs erhaltet. Vorausgesetzt, Ihr teilt Euch die Vertriebskosten je zur Hälfte. Anderenfalls müsstet Ihr eine genauere, dann aber auch aufwendigere Verteilung vereinbaren. In jedem Fall solltet Ihr die vereinbarten Details aber in einem schriftlichen Vertrag festhalten, um auch für den Fall, dass Ihr Euch einmal streiten solltet – was im Falle eines Erfolges leider sehr oft vorkommt – eine klare und eindeutige Regelung habt, an der Ihr Euch dann orientieren könnt.


Wenn auch Du eine Frage zum Musik- oder Urheberrecht hast, kannst Du uns eine Nachricht mit Deiner Frage an folgende E-Mail-Adresse schicken: legal@youtunez.com. Aus allen eingesendeten Fragen wird Rechtsanwalt Dr. Bauer in regelmäßigen Abständen eine ausgewählte Frage hier im Blog beantworten.

Falls Du wichtige Fragen zu Deinen Musikproduktionen hast, kannst Du auch unmittelbar und direkt mit der Kanzlei music & law über unsere Musikanwalts-Hotline in Kontakt treten.

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