iTunes Match ist da! Was sind die Vor- und Nachteile?

iTunes Match ist da! Was sind die Vor- und Nachteile?

Nachdem wir erst kürzlich über iTunes Match berichtet haben, ist der Service nun seit 16. Dezember auch in Deutschland verfügbar. Der Release kam überraschend schnell, nachdem sich die Verwertungsgesellschaft GEMA und der IT-Branchenverband BITKOM wenige Tage zuvor über die Urheberrechtabgaben für Online-Musik geeinigt haben.

Um iTunes Match überhaupt in Deutschland anbieten zu können, hat Apple eine Zusatzvereinbarung mit der GEMA abgeschlossen. Wie Heise berichtet, “zahlt Apple eine Pauschale pro iTunes-Match-Nutzer und hat erweiterte Auskunftspflichten gegenüber der GEMA.” Neben Deutschland startete iTunes Match parallel in Großbritannien, Irland, Frankreich, Spanien, der Schweiz, Kanada, Mexiko, Australien und Neuseeland. In den USA ist der Service bereits seit Mitte November verfügbar.

iTunes Match Umsatzbeteiligung

iTunes Match Umsatzbeteiligung

Welche Vor- und Nachteile ergeben sich durch iTunes Match für Künstler und Labels?

Alle Major Labels haben sich für eine Lizenzierung ihrer Songs für iTunes Match entschieden, obwohl damit illegal erworbene Songs mehr oder weniger ‘legalisiert’ werden können. Da die Nutzer für den Service jährlich Gebühren zahlen, erhoffen sich die Labels, auch notorische ‘Musik-Piraten’ dauerhaft zur Kasse bitten zu können. Denn durch iTunes Match kann illegal geladene Musik sozusagen ‘nachträglich’ monetarisiert werden.

Die Labels werden prozentual an den Umsatzeinnahmen von iTunes Match beteiligt. Sie erhalten 58% der Erlöse aus Abonnement-Gebühren (siehe Grafik). Abhängig von der Nutzung ihrer Musik wird der Prozentsatz auf alle Labels bei iTunes aufgeteilt. Die Künstler werden anschließend gemäß ihren Verträgen am Umsatz der Labels bzw. ihres digitalen Musikvertriebs beteiligt.

Auch wenn Apple seine Marktführerschaft gezielt einsetzt, um Labels unter Druck zu setzen, haben die Labels selbst enorme Vorteile durch die Teilnahme an iTunes Match. Denn alle Einnahmen entstehen zusätzlich zu den üblichen Download-Umsätzen. Auch wenn die Selbstbeteiligung von Apple mit 30% (siehe Grafik) sehr hoch liegt und viel Kritik einstecken muss, hat sich dieses Modell bereits beim ‘App Store’ bewährt.

Ein Nachteil ergibt sich hingegen für alle Künstler und Labels, die ihre Musik nicht an iTunes lizensiert haben. Sie werden an den Einnahmen nicht beteiligt, selbst wenn ihre Musik über iCloud synchronisiert wird.

Welche Vorteile hat Apple durch iTunes Match?

Apple hat sich mit iTunes Match einen eigenen Goldesel geschaffen. Für den Service wird eine zusätzliche jährliche Nutzungsgebühr von 24,99 Euro fällig. Ausserdem ist das Angebot auf iTunes-Nutzer begrenzt und erhöht die Bindung der Kunden an Apple Produkte wie iPod, iPad und iPhone. Auch die Labels werden durch das Angebot weitgehend abhängig von Apple. Denn sie können es sich kaum leisten, auf die zu erwartenden Umsätze zu verzichten (siehe Rechenbeispiel).

Darüber hinaus bietet iTunes Match bisher einzigartige Vorteile, wie das ‘Matching’ von Musiksammlungen und Playlists und die Synchronisierung via iCloud und hebt sich somit von Konkurrenzangeboten ab.

Rechenbeispiel: Warum iTunes Match eine ‘Cash Cow’ ist

Wenn von den derzeit über 220 Mio. Apple-Kunden etwa 45%, also 100 Mio. Nutzer, in Zukunft iTunes Match nutzen würden, entspräche das einem jährlichen Umsatzplus von 2,5 Mrd. Dollar. Das wiederum entspricht fast 40% des gesamten weltweiten Umsatzes mit digitaler Musik. Demnach könnte Apple mit iTunes Match bis zu 750 Mio. Dollar pro Jahr erwirtschaften (30%-Anteil). Der Label-Anteil würde 1,45 Mrd. Dollar betragen (58%-Anteil).

Es bleibt abzuwarten, ob sich Umsätze in dieser Höhe tatsächlich realisieren lassen und welche Angebote die Konkurrenz nach der Einigung mit der GEMA entwickeln wird. iTunes Match hat aber definitiv das Potenzial, den Online-Musikmarkt komplett umzukrempeln.

TIPP: Wie iTunes Match eingerichtet wird und wie die Synchronisierung funktioniert, erfahrt Ihr hier (leider nur auf Englisch).

Quellen: CNET, MacNews, Musikmarkt, Heise, Mashable, MacWorks, Tagesschau.de

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